Sebastian Nicolle
Kein stummes Wort
nach langer Stille.
Ein Schritt nach vorne,
nichts erreicht.
Das Feld des Glücks in allen Ländern,
und in dem Feld kein Land in Sicht.
Die wahre Heimat trägt sich weiter,
und in ihr ruht der Welten Mitte.
Sebastian Nicolle schrieb dieses Gedicht nach dem Sommerlager 2009 in Neu Schönau.
Uli Dietze
Laura, mein Fahrrad+ich
wenn der Wind
Dir über den jungen Kopf
weht und mir über den alten
auf meinem Fahrrad
wird alles
eins
der Wind und
Du und ich
Uli Dietze, 44, ist Zenmönch und Bauschlosser. Er lebt in Tübingen mit seiner Frau und einer 14-jährigen Tochter.
Peter Campbell
Sesshin
6:10 Uhr
Immer noch dunkel
Irgendein Idiot hat die ganze Nacht geschnarcht
Ich war viermal auf —
Sein Scharchen wie ein schwerer Seegang
Der peitscht und bricht
An den Felsen
Des kleinen Geistes
Ein Kraftandrang
Und irgendwelche Vögel,
Unbekannte Vögel,
Singen ihre Sachen...
Und er wird nicht viel länger Idiot
Geruch von Scheiße und von Zahnpasta
Und streng nach Männerkörpern
Und von Pflanzen, frisch nach dem Regen
Und von der Nacht und von den heißen Duschen —
Und eine Geräuschkulisse verspannter, seufzend
Widerstrebender Körper —
Und der Genmai ist wie Wasser
Mist.
Peter Campbell durchlebt gerade das Ergebnis vergangener karmischer Unfähigkeit im trendigen 20. arrondissement von Paris, wo man ihn als Lügner und Angeber antrifft, der in diversen Schuppen und bars à vin über seine Verhältnisse lebt.
Guy Faure
Der Schatten der Leere
Der Schatten der Leere sucht seinen Weg
Tastet sich durch die Stadt.
Gleitet. Langsam. Zwischen dem Funkeln.
Überall. Endlos.
Zum Klang des Herzens.
Zu den Klängen der Seele der Nacht.
Jazzy Jazz, viva la paz, Frieden in dir
Buddha schaut dir direkt in die Augen
abwesend, aber vor dir,
nur vorbeiziehende Schatten, Wind vor den Fenstern,
voll von einsamer Leere, im Innern Sterne...
Buddha der roten Lampen,
weißer Buddha der flackernden Neonlichter
In der grauen Dunkelheit der Herbstnächte,
gelber Buddha sich bewegender Lichter
in den Straßen voll schimmernder Pfützen...
Guy Faure, 34, ist Zenmönch. Er lebt und praktiziert in Nantes, wo er malt, zeichnet, schreibt und hin und wieder Arbeit sucht. Er hat mehrere Gedichtsammlungen veröffentlicht (auf französisch): Barfuß im Schnee, Verwildertes Gras und bewaffneter Beton, und, frisch von der Presse, Kinder müssen sich selber retten...
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