Zen Road
Zen Road
05.jpg
  • english
  • deutsch
  • français
| Drucken |

Geschichten aus der Psychatrie: Wer ist normal?

von Florence Avenel, Zen-Nonne und Krankenschwester in einer psychiatrischen Klinik

 

Ich möchte dir sagen : am Ende des Unmöglichen ist man nie allein
Oder eher
Man ist so allein, dass nichts mehr wahr ist - und dennoch... !
Du bist verrückt, ich bin verrückt, wir sind verrückt.
Verrückt, es steckt Wahrheit in unserem Wahn.
Da sind Spuren der Wirklichkeit in unserem Leben - es gilt sie zu zähmen.

 

Gedicht eines Patienten der Nervenklinik.

 

Eines Tages, während einer Sesshin, sagte Philippe, der mich essen sah: „ man könnte glauben, dass du nicht ganz normal bist....", und er verglich mich mit einem Schizophrenen Teilnehmer, der am Nebentisch saß.

Was ist normal? Da kommen mir der „Dino", „Charly" und die Anderen in den Sinn.

 

Zum Beispiel, „der Dino", wisst ihr, wer er ist?

 

[The Dino, a menacing face with thick features and pockmarked skin]

Er wurde während des zweiten Weltkrieges in der Nervenklinik selbst gezeugt, und das durch einen Drahtzaun, der Männer und Frauen im Hof trennte. Seine Mutter, - sie wurde mit schweren Psychopharmaka behandelt, um ihre psychotischen Wahnvorstellungen und Erregungen zu beruhigen- hat ihn ausgetragen und zur Welt gebracht: missgestaltet und geistig zurückgeblieben überlebte er 60 Jahre in unseren Mauern.

 

Sein Name war Alain - sein Spitzname « der Dino »- wir, das Pflegepersonal der psychiatrischen Klinik haben ihn so genannt, wegen der Atrophie seiner Arme, die er, wie kleine Flügel in der Luft schlug und die ihn mal hierhin mal dorthin brachten, unsicher, hüpfend, stolpernd, fallend.
Seine Gesichtszüge offenbarten die Abwesenheit von Gedanken und Ideen.
Ununterbrochen stieß er Schreie aus, ohrenbetäubend und unartikuliert gleich einem Kakadu. Schmerzensschreie? Wutschreie? So befand er sich gefesselt inmitten der Menschen, denen er dennoch in unserer Wertschätzung kaum angehörte.

 

Sich um den Dino kümmern: ein täglicher Kampf für die Pfleger: Ihn waschen, anziehen, füttern, schlafen legen, zum Schweigen und zum Stillstand zwingen, zu allmöglichen, normalen, angemessenen Tätigkeiten animieren, ihn modellieren trotz der beispiellos unglaublichen Unmöglichkeit zu leben.

 

Wie oft haben wir uns vorgestellt ihm die Haut vom Leibe zu reißen, ihn zu ersticken, ihn seinen fürchterlichen epileptischen Krisen zu überlassen- auf das dies uns aufgezwungenes Spektakel ein Ende nimmt. Seinen enormen Penis, so unproportioniert wie alle seine Körperteile, legte er auf die Seiten des Krankenberichts während wir unsere Aufzeichnungen machten und zwang uns damit im Moment selbst sich ihm zu widmen. Seine stinkende Scheiße, die sich in den Fluren ausbreitete, seinen Schleim, - er war an Hepatitis erkrankt- den er an unseren Kitteln abwusch, seine wirklich widerliche Art das Essen ruckweise runterzuschlingen, wie ein Waran, seine schuppige Haut, die ständig pellte, sein Toben, das nur durch Spritzen beruhigt werden konnte... Ja, so war er gegenwärtig, so war er da, jeden Tag, jahrelang, im Unerträglichen.
So brachte er in uns Hass, Angst, Wut, Zorn und Schuld zum Ausdruck, so ließ er in uns die Lust zu Töten wachsen, so entblößte er Gefühle und extreme Eindrücke, die zu tiefst im Dunkel unserer Seele lauern, zwang uns, sie zu entdecken.


Dieser ‚Thyrannosaurus', der mitleidslos jede menschliche Regung unseres Herzens zunichte machte.

Eines Morgens war er tot.

Man sagte mir: Alain ist tot. Einfach so.


Ich stand da, geschlagen im Knock-out und mitten in diesem leeren Raum sah ich - ich bin mir da ganz sicher - wie er einem Engel gleich entschwand, auf weißen Flügeln, eher rosa-orange irrisierend in subtilem Licht, in sprudelndem kristallklarem Lachen, kindlich, fröhlich, befreit von seinen und unseren Fesseln und - endlich - von einem Ego, das sich bis dahin nie manifestiert hatte.

 

An ihn zu denken, bedeutet mir heute noch eine unglaubliche Stütze. Auf der anderen Seite dessen was uns sichtbar ist, im Gegensatz zu seiner so entsetzlichen erdlichen Bestimmung ist er ein freier Geist des Lichtes.
Wer kann sich vorstellen, der stummen Lehre eines "Dino" zu folgen?
Was ist diese Lehre? Könnet sie vielleicht in den zwei Worten liegen: greifen oder fallen lassen?

 

Er:
  • Ohne Vorhaben uns zu lieben oder zu hassen
  • Ohne eigene Gesetze
  • Lebend, indem er unsere Starrheit und Grenzen anfordert und zurückstößt,
  • Nach seinem Tod keine Spuren hinterlassend.
Wir:
  • Gespickt mit guten Vorsätzen,
  • Die Gesellschaft stößt ihn aus- er bleibt lebenslänglich überwiesen- ihn und seine Unförmigkeit, seine Hepatitis, sein Verhalten, die unser Angekettetsein manifest machen,
  • Das Personal in Herzen permanente Ablehnung, pflegte ihn und pflegte damit das instinktive Nichtanerkennen.
Wo ist die Trennung?

 

Erinnert uns das nicht die Lehre Buddhas:

 

„Die, die mich in meiner Gestalt sehen oder glauben
mich in Klang meiner Stimme zu hören,
befinden sich im Irrtum,
diese sehen nicht den Tatagatha."

 

- Sutra des Diamanten kap. XXVI.

Und einem Dino in so etwas wie ein schlechtes Karma der Menschheit einzuordnen, erspart uns nicht, unserem engstirnigen Spiel „lieben und verstoßen" bewusst zu werden.



Und Michel: kindliche Angst, die brutale Kräfte entfesselt?

 

[The back of an obese man sitting on a bench]

Michel, seit seiner Geburt misshandelt, und dessen Familie das Erziehungsrecht entzogen wurde, kam zu Pflegeeltern, von denen er ebenfalls missbraucht wurde. Seitdem einem permenenten beklemmendem Angstgefühl ausgesetzt, flüchtet er in eine Psychose, um ihm zu entkommen. So wird die Außenwelt zu seiner Innenwelt, seine Gefühle vermischen sich mit den Gefühlen Anderer, zum Beispiel: hat sein Gegenüber Angst, greift die Angst auf ihn zurück, wie die Angst, die er empfand, als er bedroht war.

 

Michel ist ein Patient dessen erstaunlich niedriger Intelligenzquotient einer kolossalen Körpermasse diente, eine Verkörperung des King-Kong1.


Seine Art und Weise Situationen falsch einzuschätzen gaben den Anstoß zu einer Kraftentfaltung, die uns, seine Pfleger, vor Angst erstarren ließ. Ursprünglich war er Holzfäller, der als Außenseiter immer mehr am Rande der Gesellschaft lebte, und schließlich nicht mehr aus seinem Wald herauskam. Ein Polizeiwagen mit einem Aufgebot von 30 Polizisten war notwendig, um ihn mit viel Mühe einzufangen, als man ihn endlich entdeckte, die Axt schwingend als handele es sich um einen Majorettenstab. So landete der große Menschenaffe aus dem Wald in unserer Abteilung. Wir mussten viele seiner Wünsche unmittelbar erfüllen, aus Angst vor ihm, nachdem er zwei unserer Kollegen sehr schwer verletzt hatte (eingeschlagener Brustkorb, Kieferbruch, und das, obwohl sie nun wirklich keine halben Portionen waren). Eines Tages blieb ich, ziemlich unvorsichtig, allein: „Los mach ich mal Frühstück für alle..." Plötzlich drehte ich mich um und sah Michel hinter mir, mit geballten Fäusten die Arme starr an seinem enormen Körper entlang:

 

„ ich weiß nicht warum, sagte er mir, aber ich habe Lust, dich zusammenzuschlagen, also muss ich es auch tun!".
„Mimi," sagte ich ihm, „zuerst einmal könnten wir einen Kaffee trinken, nur wir beide, guck mal, er ist fertig und du erzählst mir, was du empfindest!". „"Ja, einverstanden"

 

und nun erklärte er: „ wenn ich jemanden sehe, der Angst hat, bekomme ich auch Angst und so muss ich alles niederschlagen, was mir in den Weg kommt. Nur das Gewitter macht mir Angst und ich weiße nicht wie ich zurückschlagen soll.
„Und ich, in diesem Moment, mache ich dir Angst?"
„Nein"
„Also brauchst du mich auch nicht anzufallen!"
„Gut, also OK! Vielen Dank für den Kaffee,... mich hat nie jemand eingeladen... das kommt mir ganz komisch vor, macht mir keine Angst, bin zufrieden!"

 

Und er geht weg.
Meine Kollegen kommen, ich krieg ein Nervenzusammenbruch weine und zittere an ganzen Körper. Dabei war es so einfach gewesen, normal mit ihn zu sprechen.

 

 

Wenn die Augen sich nicht schließen,
verschwinden die Träume von selbst

Shinjinmei, Meister Sosan

 

In der Dringlichkeit, die Geste vor der Geste. Aus dem Kontext genommen, erfindet sich das Ego seine Angst, hilft sich dagegen mit Polizeiwagen, Zwangswesten und Isolierzellen. Und wenn die Angst sich verwandelt, erfinden wir Kategorien; Zensur, Etikettierungen wie schlechte Lebensführung und Anormalität, die uns die Zurückweisung des Anderen und seinen Freiheitsentzug autorisieren.

 



Das „nicht normale" bei Françoise war die Gewalt ihres Hasses gegenüber alle Äußerungen die von dem Anderen kamen, in dem sie nur Ablehnung sah.


[White ceramic toilet and kitchen sink, broken and abandoned on the ground with a hoe and pitchfork]

Sie lebt seit ihrer Jugend in der psychiatrischen Klinik, von ihrer Familie verstoßen, wegen schwerer charakterieller Störungen. Sie ist heute um die 50. Tatsächlich erlitt sie mit 18 Monaten eine Kinderlähmung die ihre beiden Beine total lähmte. Ihre Mutter empfand diese Behinderung als unfassbar, sollte Françoise doch das hübsche niedliche Mädchen der Familie sein, das einzige und so heiß gewünschte Mädchen noch dazu.
Von diesem Augenblick an wandelte sich ihre Mutter in ihre Peinigerin, Vollstreckerin der Ablehnung.
Von Demütigungen zu Gewaltakten, von Gewaltakten zu Mordgelüsten, Françoise wird menschenscheu und leicht verletzlich, greift die Kinder im Sandkasten an, beißt sie und umarmt sie bis zum Ersticken mit ihren kräftigen Armen. Ihre Boshaftigkeit verfeinert sich gegenüber dem Unterschied den sie allen Anderen sehen kann, die sie zugleich so begehrt und verabscheut.

 

Meine Beziehung zu Françoise war bedeutend: sie mochte mich und wollte mich vernichten. Mehrmals wurde ich von ihr gefährlich angegriffen, sie riss mir die Haare aus, zerkratzte mir, wir ein Tiger, das Gesicht, etc...
Oft, nach diesen Krisen, fragte ich sie warum: sie antwortete mir, sie könnte nicht anders, sobald sie auch nur ein wenig Liebe empfinde. Ohne Zweifel hatte sie die Gewalttätigkeit ihrer Mutter als eine Art Ausdruck der Liebe verinnerlicht, so war sie geformt, Françoise.Trotz aller Schwierigkeiten, die es jedes Mal mit ihr gab im Umgang mit Anderen, entschloss ich mich eines Tages mit ihr und in Gesellschaft einer Kollegin zu einem Restaurantbesuch, mit ihr, die man nicht ausführen konnte, da sie noch dazu von unglaublicher Plumpheit und abstoßender Hässlichkeit war. Sie erschien mir ein wenig glücklich, während des Ausflugs, mit ihrem armseeligen, zahnlosen Lächeln, aber dennoch Lächeln, und gar nicht unangenehm im Ganzen. Und dann musste Françoise auf die Toilette. Ich begleite sie und schob ihren Rollstuhl vor mich hin. Eine sehr hübsche Dame hielt uns die Tür auf und sagte ihr, allerdings mit betonter Herablassung: „Ich bitte sie... nach Ihnen!", und Françoise, die sofort die gestilte Ablehnung spürte, die diese Frau mit einer Sicherheit, die Schönheit geben kann, ihrem Anderssein entgegen brachte, antwortete: „Verpiss dich, alte Ziege, hab' ich dich was gefragt?"...
Sprachlos, wie die Dame vor mir, hätte ich fast den Rollstuhl vor Scham losgelassen, und dann, beugte ich mich zu ihr und sagte leise: "Du hast Recht, das ist wirklich eine Zicke, die da!".
Und Françoise, die mich zuerst laut anlachte, stiegen dann die Tränen in die Augen, als sie meine Hand ergriff und küsste.

 

Diesmal hat sie mir geholfen.

 



Und dann Charly, der in seine imaginäre Welt zurückgezogen hatte, um seinem eigenen Leiden zu entkommen.

[Figurine of a child-like character with clasped hands, pursed lips and white feathery wings]

Charly wurde in einem Durcheinander von abweichenden Familienbanden aufgezogen: die Schwester war ein wenig die Mutter, die Mutter konnte die Liebhaberin sein, wie auch die Nichte und der inzestuöse Vater. Aus all dem entstand bei Charly ein Ekel vor körperlichen Kontakten und hatte so die wirkliche Welt ersetzt durch eine himmlische Welt, illustriert durch die Gegensätzlichkeit von Engel und Dämon.

 

In den Akten der Nervenklinik wurde Charly unter der Kategorie schizophrener Patienten geführt, befallen von mystischen Delirien und als latent gefährlich. So wurde er jedenfalls kalt eingeschätzt von den verschiedenen Ärzten, die ihn untersucht haben.
„Du weißt doch, Schwesterchen, ich bin nichts von dem" sagte er mir.

 

Rebecca - so nannte er mich vom ersten Tag an und zwar hätten wir beide als Geschwister zusammen in der Hölle der Konzentrationslager gelebt.
Rebecca - niemals hätte ich mich gegen diese Identität, die aus ihm entsprang, aufgelehnt. Konnte ich mich doch gerade durch sie, indem ich sie akzeptierte, mit ihm verständigen.
Manchmal, das stimmt schon, geriet er in äußerste Wut, weil keine Ordnung mehr herrschte, nichts mehr respektiert wurde, so drückte er sich aus.
„Seht ihr das denn nicht, ihr Ignoranten?"
Ich fragte ihn sachte:" Was denn Charly, was?"
„Tu doch nicht so, Schwesterchen, als ob du nichts bemerken würdest, wie die anderen tagtäglich auf deine Engelsflügel treten, sie beschmutzen? Und warum muss der Anblick jedes kleinsten Sonnenscheins, der in unsere Abteilung dringt, sofort durch irgendwelche Dekorationen verschandelt werden. So wird der Versuch der anderen Welt, uns zu berühren, uns zu bewegen, jedes Mal sofort zunichte gemacht. Ich bin es so leid, Rebecca. Wirklich, das bringt mich um."

 

Und wir Pfleger? Wie halfen wir ihm? Mit neuroleptischen Medikamenten aller Arten, damit er weniger litt. Uns so beruhigte sich auch das Personal. Wenn es Zeit für die Injektionen war, empfing er mich immer mit denselben Worten:
„Nur zu, Schwesterchen, ich verzeih dir. Aber ich habe mir mein Leben ausgesucht, mein lebenslängliches Zuchthaus. Ich bedaure ein Mensch zu sein, das ist alles. Ich werde nie geheilt werden. Mir wird es nie besser gehen..."

Und ich, die Krankenschwester, habe jedes Mal gezögert, die Behandlungen durchzuführen, aber letzten Endes setzte ich ihm die Spritze, es war ein schweigendes Abkommen zwischen uns beiden.

 

Eines Tages wurde ich in eine andere Abteilung versetzt und es tat mit leid, Charly nicht mehr zu sehen.

 

Die Zeit verging. Als ich mich in einer besonders peniblen Periode befand, Schwierigkeiten im Beruf, mit den Kollegen, kurz, nichts lief so, wie es sollte, ließ ich eines Abends die Arbeit sein, ging hinaus und sah, hinten auf dem Rasen, unbeweglich im Dunkeln, Charly stehen. Ich war erstaunt: Charly verließ doch nie seine Etage, er hatte Angst vor dem, was draußen war. Auf seiner Höhe angekommen sagte er mir:


„ Na endlich! Da bist du ja! Ich habe auf dich gewartet. Hast du mich nicht gerufen?
„ Nein;"
„Aber sicher doch. Hier, ein Geschenk für dich, damit du wieder Hoffnung schöpfen kannst," und er reichte mir mit seinem abgezehrten Arm ein: Herz-Ass!


 

Ich bin dort auf dem Pausenhof und ein Himmel-und-Hölle Spiel
zur Hälfte gemalt mit Kreidestücken
bringt ein Erfolgserlebnis, um in den Himmel zu gelangen
der Körper im Gleichgewicht zwischen Spiel und Wahrheit

 

- Monique, Patientin der psychiatrischen Klinik

Also „nicht normal"?


  • Der Dino, der uns unentwegt an unseren Dualismus lieben/ablehnen erinnerte,
  • Michel, der das „nicht Liebevolle", das in ihm Angst hervorruft, zurückstößt und reagiert, bevor der andere zuschlägt,
  • Françoise, die dem nicht Liebenden in den Anderen auf der Spur blieb, und
  • Charly, der die Realität der Parodien von Liebe, in der er sich sein Leben nicht aufbauen konnte, travestiert durch ein imaginäres Gegenüber von Engel und Dämon?

 

Keiner der vier Personen bin ich fremd, keinem der Leiden. Sie verdrängen sie nicht. Wir hingegen, verbrauchen viel Zeit und Energie, um sie zu verschleiern. Wiederholte Meister Deshimaru uns nicht oft genug: „ Wir sind alle Mini-Verrückte?".

Lange Zeit habe ich mein eigenes Leiden überbrückt, indem ich in Tränen der Wut ausbrach oder in den Schlaf flüchtete.

 

Am Tag, an dem das alles sich vor die Wand setzte, empfand ich einen tiefgehenden, massiven Überdruss und gleichzeitig die Gewissheit in dem Augenblick leichter leben zu können: durch die Haltung und Atmung, in die ich vertrauen konnte und die mich unbewusst beruhigte, und die Gegenwart derer, die zeigen und leiten. So kam ich trotz allem wieder.


Nach dem Gefühl des Überdrusses entstand die Wut auf all die Anlässe die mich leiden ließen und die mir bewusst wurden, dennoch blieb immer das Vertrauen in die lebende, atmende Haltung. Und dann betrachtete ich die Objekte, die dieses tiefwurzelnde, verschüttete Leiden verursachten, nicht mehr als gefährdend, sie waren ohne Beschaffenheit, grundlos.


Der Wut, dem Zorn einmal die Gewalt genommen, bleiben seine Motoren: Narben des Schmerzens sie sind gewinnbringend einsetzbar im Dienst gegen Leiden und Anormalitäten, die ich verstehen kann.

 

Und ihr hättet ihr Lust etwas dazu zu sagen?


Seitenanfang