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Tremblay-sur-MauldreAuf eine Einladung der regionalen Zengruppe folgend, kamen Reiryu Coupey, ein paar Nonnen und einige Mönche mit ihren Zafus nach Tremblay-sur-Mauldre für einen Zazen-Vormittag.
![]() Am Eingang des Dorfgemeinschaftshauses, das als Dojo dient, gibt es eine Überraschung… welch Wunder! Ein Schiffsruder!
Es gleicht dem von Kapitän Haddock im Comic „Tim und Struppi“. Außerdem gibt es dort noch anderen Trödel, der nichts mit einem Dorf zu tun hat, das so weit vom Meer und von anderen buddhistischen Einrichtungen entfernt ist.
Im ersten Stock, rechts und links vom Eingang des Gaitan findet man lederne Koffer und alte Bücher mit vergilbten Seiten in einem massiven und eigentümlichen Schrank. Letztendlich dann doch ein Hinweis in den Initialen: „B.C.“
Das Dorf Tremblay-sur-Mauldre und das Dojo sind vom Karma einer außerordentlich freien und erstaunlichen Persönlichkeit erfüllt: Blaise Cendrars.
Aber wer war nun dieser Typ? Mit 16 Jahren verließ er seine ach so ruhige Heimat – Chaud-de-Fonds (!) in der Schweiz – um den starken Mann zu spielen und mit der Transsibirischen Eisenbahn nach China zu fahren. Ohne Zweifel ist er für einträgliche Geschäfte wie geschaffen: Verkauf von Särgen, Korkenziehern und Taschenmessern… Später lässt sich Blaise, dessen richtiger Name Frédéric Sauser ist, zum ersten Mal in Frankreich nieder und fährt mit dem Handel fort indem er Kresse anbaut. Wenig überzeugt vom Ergebnis wird er Imker und erklärt: „Acht tausend Francs mit Honig pro Jahr – Ich bin reich!“ Später treffen wir ihn dann in Brüssel und in London, wo er sich ein Zimmer mit Charlie Chaplin teilt. Es ist eine Zeit der mageren Kühe und der leeren Hosentaschen mit Löchern…
Im Jahre 1912 dichtet er, total abgebrannt, in einer sternklaren Nacht das lange und freie Gedicht „Ostern in New York“. Zu Kriegsbeginn 1914 verpflichtet er sich in der Fremdenlegion und verliert seinen rechten Arm bei einem entsetzlichen Angriff. Daraufhin erklärt er: „Es bleibt mir noch der linke! Zum Angriff!“. Als er die Gefechtsfelder verlässt macht er sich daran, Kampfsportarten und Kurzschrift zu erlernen; eigentlich völlig normal.
Zu Kriegsende reist Blaise von Südamerika nach Afrika, wo er sich als Kundenwerber verdingt. Zu dieser Zeit schreibt er auch die Werke „Neunzehn elastische Gedichte“ (1919), „Kodak (Ein Dokumentarfilm)“ (1924) und „Reisenotizen“ (1924). ![]() Ich bin hässlich !
- Auszug aus „Die großen Fetische“ (1916).
Von 1917 bis 1940 ist es schwierig, der Fährte des Tieres zu folgen: Méréville, Brasilien, Kriegsberichterstatter für die englische Armee und zurück nach Paris.
Cendrars hat sich auch dem Kino zugewandt, wo er mit dem Regisseur Abel Gance arbeitete. Seine Gedichte wurden seltener in den Jahren, als er sesshaft wurde. Er schreibt eher Erzählungen, Novellen und Reportagen, in denen man ein exquisites Cocktail aus Exotischem, Abenteuer, Urwald, Sex und Gewalt findet.
In Paris – in der Nähe von Montparnasse – trifft Blaise, obwohl er das literarische Milieu von Paris hasste, auf die größten Künstler und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, auf die Surrealisten, Picasso, den Dichter Francis Carco, Apollinaire und man findet sogar ein Portrait von ihm, gemalt von Modigliani.
Sein Zeitgenosse, der Schriftsteller Paul Morand, sagte über ihn: „Blaise ist ein Reporter Gottes, ein spiritueller Abenteurer…“. Sein Einfluss ist immer noch groß auf zeitgenössische Schriftsteller wie Jim Harrison, der ihn in seinem Roman „Am Rande“ als einen der größten Autoren zitiert, die ihn inspiriert haben.
Und wer Blaise gelesen hat, der langweilt sich nicht. Hier zwei Ausschnitte, die mir gut gefallen haben. Der erste ist ein Stück aus „Herumreisen“ (1948):
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![[Ein antikes Schiffsruder aus Mahagoni und Messing]](/img/ships-wheel.jpg)
![[Schwarzweißfoto eines rauchenden Blaise Cendrars]](/img/blaise.jpg)
![[Der Grabstein Cendrars’ - blankpolierter Granit, oben darauf, eine linke Hand in Bronze]](/img/grave-arm.jpg)
Fotos: Françoise Lesage; Guy Rivoallan;