Zen Road
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Die Überzeugung des Mönchs

von Kodo Sawaki

 

Ein wahrer Mönch kann an der Bestimmtheit seiner Sprache erkannt werden.
Lass jeden, der nicht übereinstimmt, es selbst überprüfen

Yoka Daishi, aus dem Shodoka

 

 

Eine bestimmte Erklärung drückt das offensichtliche aus, eine unwiderlegbare Wahrheit wie: „Wenn es regnet, ist es nicht sonnig.“ oder „Mein großer Bruder ist älter als ich.“. Sie wird nicht durch eine vage und mehrdeutige Sprache, voller „vielleicht“ und „wahrscheinlich“ ausgedrückt. Kinder benutzen keine mehrdeutige Sprache, aber wenn sie erwachsen werden, verlieren sie sich in Vermutungen über Himmel und Hölle.

 

„Bin ich Buddha oder bin ich nicht Buddha?“ Die Probleme, die durch die Frage nach dem, was nach dem Tode kommt, entstehen, sind nur Zeitvertreib für Müßiggänger. „Werde ich in den Himmel oder die Hölle kommen, wenn ich sterbe?“

 

Wie kann man darüber soviel Aufhebens machen, wenn wir doch von viel unmittelbareren Problemen bestürmt werden? Ein Mann leidet unter den Nöten eines Mannes, eine Frau unter denen einer Frau. Ein Armer leidet unter den Nöten eines Armen und ein Reicher unter denen eines Reichen. Eine schöne Frau leidet unter den Nöten einer schönen Frau und eine hässliche Frau unter denen einer hässlichen Frau.

 

All dieses Leid ist das unmittelbare Problem: Es bricht mit aller Macht über uns herein, und jeder, der davon nicht betroffen ist, ist entweder dumm oder verrückt. Wenn diese dringende Thematik nicht berücksichtigt wird, ist das Buddha-Gesetz nur abgedroschenes Dogma.

 

Im Gakudoyojinshu, schrieb Dogen: „Wer den Buddha-Weg praktiziert muss ihm zuallererst trauen. Wer ihm vertraut, soll beim Weg bleiben und keine Zweifel haben, keine Illusionen und nicht zögern. Er muss Vertrauen in die Tatsache haben, dass nichts hinzugefügt, genommen oder korrigiert werden kann.“

 

Das ist etwas, dass nicht schwer zu verstehen ist. Du bist du: Vertraue dir selbst. Sonst bist du nicht länger du selbst, du kennst dich nicht selbst. Wenn du, du selber bist, ist es unerheblich ob die Leute nach dir schauen oder nicht; wenn du tust, was getan werden soll, tust du es gut.

 

Während Zazen sitzen wir sehr gerade, wenn der Kyosaku direkt hinter uns ist, und wir werden kein schlaffer Lappen, sobald er vorbei gegangen ist. Warum anders handeln? Ist es nicht unser Körper? Wenn es unser Körper ist, sollten wir ihn auch mit Würde behandeln.

 

[Foto Kodo Sawakis beim Zazen]

Die, die Vertrauen in den Buddha-Weg haben, müssen sich selbst vertrauen. Sie müssen glauben, dass wir uns in nichts von Buddha unterscheiden. Meine Rohstoffe könnten für andere Zwecke verwendet werden. Ich könnt zum Beispiel ein Professor sein, und ein führender Experte auf dem Gebiet werden. Oder ein Politiker – aber was wirst du wirklich, wenn du ein Politiker wirst? Wie oft kommst du ins Gefängnis? Vielleicht ein umherziehender Musiker in einer chindon-ya band?

Ich glaube, das hätte mir gefallen. Ode rein Gangster - aber ich weiß nicht, ob du auf diesem Weg repräsentative Titel erlangst. In jedem Fall, was immer wir tun, wir werden unweigerlich etwas.

 

Während des Sino-Japanischen Krieges, ging ich als Private erster Klasse an die Front: „Private Sawaki!“ „Hier!“ Dann wurde ich Corporal und schließlich Sergeant. Aber hier endete die Karriere des Soldaten Sawaki.

 

Wenn ich ärgerlich werde und das Blut in meinem Kopf rauscht, ist auch mein Gesicht ärgerlich. Wenn ich lache, lacht es. Ich bin kein anderer Mann, wenn ich Buddha werde, ich werde ich selbst. Mein Rohstoff wird Buddha, ohne dass etwas ihn daran hindert.

 

Wenn du Zazen übst, ist dein ganzer Körper Zazen. Was ich sage, ist absolut wahr. Wenn du Alkohol trinkst, ist jede Artikulation, jeder Muskel, die kleinste Zelle betrunken. Das ist es, was ich eine unwiderlegbare Wahrheit nenne und was ich meine mit der bestimmten Sprache.

 

Die Welt des erwachten Menschen ist nicht die Welt eines normalen Menschen. Der Erwachte hat eine vollständige Vorstellung vom Universum. Aus dieser Perspektive, alle empfindenden und empfindungslosen Dinge werden zum Weg. Pflanzen, Bäume, die Erde, Planeten, alles ist Buddha; Berge und Flüsse sind offensichtlich Buddha.

 

In der Welt ignoranter Menschen hören wir Dinge wie: „Ich hatte letztens etwas Zeit Zazen zu üben…“ oder „Ich bin momentan zu beschäftigt um Zazen zu üben.“ Von der Welt des Zazen aus gesehen, ist die ganze Welt Zazen. Das Lied des Windes und des Regens ist Zazen. Konsequenterweise, aus der Welt des Buddha gesehen, ist alles im Universum Buddha. Für jemanden, der nicht Buddha ist, ist nichts Buddha. Deshalb können wir überall den Weg praktizieren, ohne dass uns etwas daran hindern könnte.

 

Jeder Platz kann zum Dojo werden. Ich muss nur ein Schild aufhängen, dann kommen Schüler und praktizieren Zazen. Nach meiner Abreise wird dieser Platz wieder zu einem normalen Lebensraum. So kann jemand durch seine Taten Dinge verändern. Wenn wir verstehen, wie unsere Taten die Welt verändern können, werden wir mehr Respekt und Rücksicht für uns selbst aufbringen. Dies ist die klare und präzise Lehre, die der wahre Mönch offenbart.

 

Es gibt keinen Raum für Mehrdeutigkeit in dieser Lehre. Wir treffen direkt ins Schwarze, ohne Zögern.

 

Lass jeden, der nicht übereinstimmt, es selbst überprüfen.

 

Ob ein ausgebrochener Bulle angreift oder der Himmel einstürzt, wir bewegen uns nicht. Was ist, ist; was nicht ist, ist nicht. Was getan werden kann, tun wir; was nicht getan werden kann, tun wir nicht. Wir tun, was getan werden muss, und was nicht getan werden muss, tun wir nicht. Gedanken und Handlungen sind klar und geradeaus: das ist mit einer präzisen und bestimmten Lehre gemeint.

 

Es ist die tiefe Überzeugung, das, was wir sagen die Wahrheit ist und das diese Wahrheit ewig ist.


Auszug aus dem Chant de l’Éveil: le Shodoka commenté par un maître zen („Das Lied des Erwachens: Kommentare eines Zen-Meisters zum Shodoka“) von Kodo Sawaki (Paris: AZI/Albin Michel, 1999).