Zen Road
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Fallen auf dem Weg

 

Wer den Weg geht, hat viele Gelegenheiten Hindernissen zu begegnen während er unterwegs ist, viele Gelegenheiten, in Fallen zu geraten, wenn er sich nicht vorsieht
Die Ordination zu Nonne oder Mönch bewahrt nicht vor diesen Fallen.

trapsoftheway

 

In ihren Kusen interpretieren die Godos die Schriften der Patriarchen, kommentieren Zen-Gedichte oder kommen zurück auf die essentiellen Punkte der Haltung. Üblicherweise vermeiden sie es, von den Hindernissen zu sprechen, die vor dem/der feste Praktizierenden auftauchen. Wir könnten dabei auch von Fallen sprechen, von Sackgassen oder von Schlangen, die außerordentlich bedrohlich sind, mit destruktiven Auswirkungen.

 

 

In diesem Fall ist es – wie in vielen anderen Situationen – besser, nur für sich selbst zu sprechen und, falls möglich, mit einem Verständnis für die Gründe. Was mich betrifft, hatte ich Gelegenheit, in mindestens zwei Fallen zu geraten, die andere Praktizierende ebenfalls betreffen könnten.

 

 

Die erste besteht darin zu glauben, dass die Praxis von Zazen andere Arbeit wie tiefe psychologische, analytische oder therapeutische unnötig macht, dass es uns vom langfristigen Arbeiten mit uns selbst befreit, oder von Neurosen, oder von Anhaftungen….kurz das Säubern von Unterholz, wofür es großer Anstrengung bedarf, die verborgenen und schattigen (dunklen) Anteile unserer persönlichen Geschichte ans Licht zu bringen. So sollte eben manchmal, wenn nötig, die Praxis begleitet sein von therapeutischem Arbeiten, ob nun psychologisch oder psychoanalytisch, so es uns denn hilft, über die eigene Geschichte hinaus zu gehen und unsere persönlichen Herausforderungen anzugehen.

 

 

Es ist eine längere innere Reise, ein Unternehmen, das den Mut erfordert, sich einzugestehen, dass der Glaube daran, allein die Praxis von Shikantaza könnte uns retten oder helfen, ein Irrtum ist. Im Gegenteil, die Praxis von Zazen ist alles andere als ein Sicherheitsgurt, Im Gegenteil hat die Praxis die Tendenz, wie Pfropfen alles an die Oberfläche zu bringen, seien es Ängste, Furcht, ungelöste existentielle Probleme. So gesehen kann Sitzen in Stille mit dem Gesicht zur Wand einen Vergrößerungseffekt haben, der Menschen echte Schwierigkeiten bereiten kann.

 

 

Die Gefahr von Nichtaktion und Passivität

 

Unglücklicherweise hatte ich Gelegenheit in eine weitere Falle zu treten, ebenso gefährlich wie die erste: In der Überzeugung, dass das leben „Im Hier und Jetzt“, im jetzigen Moment und völlig ohne geistige Projektion in die Zukunft, mich davor bewahren könnte, ins radikale Agieren zu gehen, seismische Eruptionen oder Revolutionen, die meine Zukunft ändern könnten…dass es mich davor bewahren könnte, mich ohne Netz und doppelten Boden ins Unbekannte zu stürzen…davor bewahren könnte, eine Haarnadelkurve in voller Geschwindigkeit zu nehmen verbunden mit dem Risiko, aus der Fahrbahn zu geraten.

 

 

Aber diese plötzlichen Richtungsänderungen können notwendig und unvermeidbar sein, um tief vergrabene Schwierigkeiten an die Oberfläche zu holen, oder um auch nur einen winzigen Teil deines Schicksals zu „meistern“, ebenso wie essentielle Bedingungen für deine Zukunft.

 

 

Im “Hier und Jetzt” zu leben bedeutet in keinster Weise Passivität, Aphathie, Nicht-Tun oder Unentschlossenheit. Phänomene die auftauchen ohne Bewertung anzuschauen ändert in keinster Weise deine Zukunft, wenn du nicht in der Lage bist körperlich die karmischen Hindernisse in Angriff zu nehmen, die deinen Weg blockieren bzw. dich auf gefährliche Weise davon abhalten.

 

 

Und um das zu tun, ist es manchmal notwendig, dich aufzumachen zu Brüchen oder Verlusten, die dich leiden machen, oder schlimmer: die dich Liebende leiden machen. Dich auf machen deine Frau zu verlassen, deinen Mann, deine Kinder oder deine Freunde, oder persönliche oder geschäftliche Entscheidungen zu treffen, die Konsequenzen nach sich ziehen.

 

 

 

Aber solche Handlungen, die manchmal großen Mut erfordern, weil sie von großem Leid begleitet sind, können sich als für deine Praxis sehr vital herausstellen. Paradoxerweise müssen wir manchmal ein brandiges Bein abschneiden, um weiterhin laufen zu können.

 

 

Buddhist zu sein, und speziell ein Soto-Zen Praktizierender, bedeutet ganz und gar nicht, alles zu akzeptieren, zu erwarten, dass die Probleme sich auf magische Art von selber lösen…sich vorzustellen, die persönliche Ethik schließe eine Art von Festigkeit, sogar von Härte aus, sei richtungsgebend dafür, keinesfalls vom Wege abzukommen, sei dahingestellt. Und es liegt allein an dir, diesem Weg zu folgen, und welche Strecke du wählst, ist allein deine Sache. Sie ist einzigartig per definitionem. Du wirst bis zum Tage deines Todes ihr einziger Erforscher bleiben, und wenn du davon abgehst, wirst du allein verloren gehen. Unglücklicherweise kann man keinen Kompass für diese Art von Reise kaufen.

 

Alain Nahmias