Zen Road [Gazette | Tremblay-sur-Mauldre]
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zen, zazen
and the people
who practice it
– a web resource by friends of Zen monk Philippe Coupey

zen road gazette

by Guy Rivoallan

Tremblay-sur-Mauldre

Eine neue Geschichte, die dem Fluss der Sesshins folgt, der Zazen-Tage und der Einführungen. Entlang diesem breiten Fluss, mal unruhig mal ruhig, kreuzen oder begegnen wir manchmal einem besonderen Karma. So auch im letzten November in einem Dorf, eine Stunde von Paris entfernt…

[Gruppenfoto mit Zennmönchen und -nonnen, in der Mitte Philippe Coupey, in Tremblay-sur-Mauldre]

Auf eine Einladung der regionalen Zengruppe folgend, kamen Reiryu Coupey, ein paar Nonnen und einige Mönche mit ihren Zafus nach Tremblay-sur-Mauldre für einen Zazen-Vormittag.

 

[Ein antikes Schiffsruder aus Mahagoni und Messing]

Am Eingang des Dorfgemeinschaftshauses, das als Dojo dient, gibt es eine Überraschung… welch Wunder! Ein Schiffsruder!

Es gleicht dem von Kapitän Haddock im Comic „Tim und Struppi“. Außerdem gibt es dort noch anderen Trödel, der nichts mit einem Dorf zu tun hat, das so weit vom Meer und von anderen buddhistischen Einrichtungen entfernt ist.

Im ersten Stock, rechts und links vom Eingang des Gaitan findet man lederne Koffer und alte Bücher mit vergilbten Seiten in einem massiven und eigentümlichen Schrank. Letztendlich dann doch ein Hinweis in den Initialen: „B.C.“

Das Dorf Tremblay-sur-Mauldre und das Dojo sind vom Karma einer außerordentlich freien und erstaunlichen Persönlichkeit erfüllt: Blaise Cendrars.

Aber wer war nun dieser Typ? Mit 16 Jahren verließ er seine ach so ruhige Heimat – Chaud-de-Fonds (!) in der Schweiz – um den starken Mann zu spielen und mit der Transsibirischen Eisenbahn nach China zu fahren. Ohne Zweifel ist er für einträgliche Geschäfte wie geschaffen: Verkauf von Särgen, Korkenziehern und Taschenmessern… Später lässt sich Blaise, dessen richtiger Name Frédéric Sauser ist, zum ersten Mal in Frankreich nieder und fährt mit dem Handel fort indem er Kresse anbaut. Wenig überzeugt vom Ergebnis wird er Imker und erklärt: „Acht tausend Francs mit Honig pro Jahr – Ich bin reich!“ Später treffen wir ihn dann in Brüssel und in London, wo er sich ein Zimmer mit Charlie Chaplin teilt. Es ist eine Zeit der mageren Kühe und der leeren Hosentaschen mit Löchern…

Im Jahre 1912 dichtet er, total abgebrannt, in einer sternklaren Nacht das lange und freie Gedicht „Ostern in New York“. Zu Kriegsbeginn 1914 verpflichtet er sich in der Fremdenlegion und verliert seinen rechten Arm bei einem entsetzlichen Angriff. Daraufhin erklärt er: „Es bleibt mir noch der linke! Zum Angriff!“. Als er die Gefechtsfelder verlässt macht er sich daran, Kampfsportarten und Kurzschrift zu erlernen; eigentlich völlig normal.

Zu Kriegsende reist Blaise von Südamerika nach Afrika, wo er sich als Kundenwerber verdingt. Zu dieser Zeit schreibt er auch die Werke „Neunzehn elastische Gedichte“ (1919), „Kodak (Ein Dokumentarfilm)“ (1924) und „Reisenotizen“ (1924).

[Schwarzweißfoto eines rauchenden Blaise Cendrars]

Ich bin hässlich !
In meiner Einsamkeit und da ich den Geruch der Mädchen schnüffle
Werden mein Kopf und meine Nase bald abfallen.

- Auszug aus „Die großen Fetische“ (1916).

Von 1917 bis 1940 ist es schwierig, der Fährte des Tieres zu folgen: Méréville, Brasilien, Kriegsberichterstatter für die englische Armee und zurück nach Paris.

Cendrars hat sich auch dem Kino zugewandt, wo er mit dem Regisseur Abel Gance arbeitete. Seine Gedichte wurden seltener in den Jahren, als er sesshaft wurde. Er schreibt eher Erzählungen, Novellen und Reportagen, in denen man ein exquisites Cocktail aus Exotischem, Abenteuer, Urwald, Sex und Gewalt findet.

In Paris – in der Nähe von Montparnasse – trifft Blaise, obwohl er das literarische Milieu von Paris hasste, auf die größten Künstler und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, auf die Surrealisten, Picasso, den Dichter Francis Carco, Apollinaire und man findet sogar ein Portrait von ihm, gemalt von Modigliani.

Sein Zeitgenosse, der Schriftsteller Paul Morand, sagte über ihn: „Blaise ist ein Reporter Gottes, ein spiritueller Abenteurer…“. Sein Einfluss ist immer noch groß auf zeitgenössische Schriftsteller wie Jim Harrison, der ihn in seinem Roman „Am Rande“ als einen der größten Autoren zitiert, die ihn inspiriert haben.

Und wer Blaise gelesen hat, der langweilt sich nicht. Hier zwei Ausschnitte, die mir gut gefallen haben. Der erste ist ein Stück aus „Herumreisen“ (1948):

Ledje war eine Schlampe, ein fettes Weibsbild, das so um die 110 bis 120 Kilo wiegen musste. Nie hatte ich so ein Monument aus alterndem, überhängendem Fleisch gesehen. Sie verbrachte ihre Tage und Nächte in einem gepolsterten Sessel, der extra für sie angefertigt worden war und den sie ständig ausschmückte, mit Schleifen verzierte und für den sie goldene und silberne Bänder, Knoten und Schleifen flochte.

Mit ihr Liebe machen zu wollen, hieß Hunderennen zu spielen. Was für ein lustiges kleines Tier! Das begann mit einem Wettlauf, mit kläffen, mit herumtollen, ein Klaps mit den Pfoten, beißen, lachen und kämpfen bis zur Atemlosigkeit… Wir rollten aufs Bett, auf dem wir uns eine Schlacht mit Gelächter lieferten, die zum Spaß mit Schlägen und Ohrfeigen endete, die aber gezielt verabreicht und auch so empfunden wurden, so wie man sie einem jungen Hund in der Aufregung des Spiels verpasst mit dem Hintergedanken einer guten Dressur und nicht einer verfehlten Liebkosung.

Als ich sie fragte: „Sag mal, Ledje, du machst das doch nicht so mit jedem, oder?“ sagte sie mir: „Denkste! Du bist doch nicht der erste. Ich hasse dich. Ich liebe nur Mistkerle. Deshalb bin ich Hure geworden. Ah! Diese Männer…“

Und hier ein völlig anderer Ausschnitt aus „Die Prosa der Transsibirischen Eisenbahn und die kleine Jeanne aus Frankreich“, erschienen im Jahre 1913:

Der Kremel war wie ein riesiger Tartar-Kuchen mit einer goldenen Kruste,
Die großen Mandeln waren die Kathedralen, ganz weiß
Und das honigfarbene Gold der Glocken…
Ein alter Mönch las mir die Legende von Novgorod vor
Ich hatte Durst
Und ich entzifferte die Keilschrift.
Dann, plötzlich flogen die Tauben des heiligen Geistes vom Platz
Und meine Hände flogen auch mit dem Rauschen der Albatrosse
Und das waren die letzten Erinnerungen
Des letzten Tages
Der allerletzten Reise
Und des Meeres.

Blaise Cendrars ist gestorben und begraben 1961 in Paris aber er ist weiter „herumgereist“ (nicht auf die gleiche Weise, wie mit Ledje): Seine Asche wurde vor ein paar Jahren nach Tremblay überführt und alle Dinge, die sich jetzt dort befinden, wo der Eingang des Dojos ist, sind die Reste seines Lebens, die dem Dorf von seiner letzten Lebenspartnerin überlassen wurden: Raymone Duchateau.

Aber beim Lesen seiner packenden Biographie, die so lebendig und reich ist, erlaube ich mir, folgende Frage zu stellen: „Verstarb Blaise Cendrars wirklich 1961 in Paris?“

Auf jeden Fall:
Sei gegrüßt BLAISE! Wir sind dich heute morgen besuchen gekommen! Mönche und Nonnen praktizieren Zazen neben deinen Büchern und deinen Koffern, die noch nach Abenteuer stinken. Es ist nicht vorbei, mein Alter, du bist noch auf der Reise!

[Der Grabstein Cendrars’ - blankpolierter Granit, oben darauf, eine linke Hand in Bronze]

Zwischen zwei Zazen bin ich zu seinem Grab gelaufen, um Gassho zu machen. Dort ist endlich auch sein rechter Arm angelangt, den er im Krieg verloren hatte.

Karma läuft sich über den Weg: Schauen sie sich mal genau die Rückseite des Buches Eine Rosskur von M.C. Dalley, einem Freund von Zen Road, an und sie werden sehen, dass Blaise noch unter uns ist.


Ein Dankeschön der Zengruppe von Tremblay-sur-Mauldre.
Fotos: Françoise Lesage; Guy Rivoallan; Centre d’Études Blaise Cendrars (Forschungszentrum) www.cebc-cendrars.ch

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