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„alles was du brauchst ist ein zafu und einigen mut“
![Philippe Coupey’s jüngstes Buch, Zen, Simply Sitting: A Zen monk’s commentary on the Fukanzazengi (Universal Guide on the Correct Practice of Zazen) by Master Dogen (Hohm Press). [Das Cover von Philippe Coupey’s jüngstem Buch, Zen, Simply Sitting: A Zen monk’s commentary on the Fukanzazengi (Universal Guide on the Correct Practice of Zazen) by Master Dogen (Hohm Press), zeigt zwei auf einem Friedhof sitzende Katzen.]](/img/zen_simply_sitting.jpg)
Philippe Coupey bringt Dogens Fukanzazengi ins 21. Jahrhundert
„Ich habe nicht den leisesten Zweifel bezüglich der absoluten Notwendigkeit ohne Zweck und ohne Ziel
vor einer Wand zu sitzen,“ erklärt der Zenmönch Rei Ryu Philippe Coupey im ersten Kapitel seines jüngsten
Buches Zen, Simply Sitting.(1)
Aber „eine langjährige Praxis ist nicht immer leicht,“ räumt er ein, „besonders wenn Dir klar wird, dass das beinhaltet, sich mit anderen Leuten abzufinden.“
Coupeys Aufrichtigkeit und Überzeugung ziehen sich durch Simply Sitting, seine Kommentare über Meister Eihei Dogens Fukanzazengi, einem zentralen Text der Zen Tradition. Die ursprüngliche „Universelle Anleitung zu der Praxis der sitzenden Meditation“ — von Dogen 1227 geschrieben und 1242-43 überarbeitet — ist ein kurzer Text, der darauf abzielt, die Essenz der Zenpraxis weiterzugeben, wie Dogen sie von seinem Meister Tendo Nyojo gelernt hatte. Sie enthält eine überraschende Anzahl konkreter Anweisungen („lege Deinen rechten Fuß auf deinen linken Oberschenkel…“), aber bezieht sich auch auf wichtige Momente und Figuren der Zen Geschichte, um zu erklären, warum solch eine Praxis notwendig ist.
![Philippe Coupey in Zazen (sitzende Meditation) während einer Sommer-Übungsperiode 2006 in Deutschland. [Philippe Coupey in schwarzer Mönchskleidung und grauem Kesa sitzt in der Zazen-Haltung während einer Sommer-Übungsperiode 2006 in Deutschland.]](/img/Philippe_Coupey_in_zazen.jpg)
„Ich glaube, jeder, der Zazen praktiziert, sollte diesen Text kennen,“ sagt Coupey im Vorwort zu seinem Buch. „Nicht notwendigerweise auswendig…aber durch ein gründliches Verstehen seiner Bedeutung.“ Coupeys Kommentare werden dem heutigen Leser genau dabei helfen. Coupey hat eine Gabe, das Hier und Jetzt zu einem Teil des natürlichen Flusses der Zengeschichte zu machen, indem er uns subtil zeigt, wie die Lehre und die Praxis sich fortsetzt, seit hunderten, ja tausenden von Jahren: Die Meister-Schüler-Beziehung, die Haltung, unsere Ablenkungen und unsere Verfehlungen, unser Streben/ Trachten nach etwas Höherem. Seine charakteristische Mischung von Altem und Neuem wird in der Liste der „Zen“-Geschichten sichtbar, die er im Laufe des Buches erzählt. Dabei erscheint die gut bekannte Geschichte „Gutei hält seinen Daumen hoch“ und „Die Parabel vom verlorenen Sohn“ Seite an Seite mit „Der Shusso kann die Rave Party nicht finden“ und „Zwei Motorräder für den Mönch“. Die Einbeziehung der Gegenwart gibt dem Buch tatsächlich eine zeitlose Qualität und bringt uns dazu, eine wirkliche Verbindung mit den Zen-Vorfahren zu spüren.
Coupeys frühere Bücher in Englisch beinhalten The Voice of the Valley und Sit, Lehren seines Meisters Taisen Deshimaru, die er herausgab; und In the Belly of the Dragon, sein eigener Kommentar zu Meister Sosans Shinjinmei.
„Ich habe mich dazu entschieden, das Fukanzazengi zu kommentieren, weil es die Basislehre der Zazen-Haltung und des Zazen-Geistes, wie Dogen sie ausdrückte, ist,“ sagt Coupey. „Dazu kommt, dass es, obwohl viele Übersetzungen des Fukanzazengi erhältlich sind, sehr schwierig ist, einen vollständigen Kommentar des Textes zu finden. Selbst Meister Deshimaru hat nie einen verfasst.“
Ein unvergleichlicher Verlag: Hohm
Zen, Simply Sitting erscheint bei Hohm Press, einem Verlagshaus, das vom westlichen Baul Guru, Lee Lozowick („Mr. Lee“), geleitet wird, der zufälligerweise ein Freund von Philippe Coupey ist.
„Lee hat mir immer geholfen, mich immer unterstützt,“ sagte Coupey kürzlich in einem Interview in Paris. „Ich habe achtzehn Jahre damit verbracht, nach einem Verleger für Sit in den Vereinigten Staaten zu suchen. Letzten Endes war Lee derjenige, der es verlegt hat. Warum hat das achtzehn Jahre gedauert? Weil man zu dieser Zeit Deshimaru in den Staaten in keiner Weise respektierte. Aber das wird sich schließlich ändern …“
Coupey traf Lozowick vor 15 Jahren über Jean-Claude St. Prix, einen anderen Mönch und Deshimaru-Schüler.
![Drachen-Geist and Mister Lee: Philippe Coupey (links) und Lee Lozowick in Paris, 2005. [Nah-Aufnahme von Philippe Coupey und Lee Lozowick in Paris.]](/img/Coupey_Lozowick4.jpg)
„Lee war sehr freundlich,“ erinnert sich Coupey. „Ich begab mich zu dem Ort, an dem er sich in Paris aufhielt. Er war zusammen mit seinen Schülern, saß ein wenig erhöht, seine Anhänger saßen um ihn herum auf dem Boden. Er lud mich ein, mit ihm oben zu sitzen — wie Mahakashyapa den Sitz Buddhas teilte — und wir beide sprachen, und die Schüler hörten zu. Das war sehr nett — er hatte mich noch nie getroffen, aber sofort machte er mich zum Ehrengast.“
Lozowick ist ein Schüler von Yogi Ramsuratkumar in der Baul-Tradition, die auf Elemente des Tantra, des Sufi-Islam and des Buddhismus zurückgreift und Singen als einen Ausdruck der Liebe für Gott betont. Der hingebungsvolle und rastlose Lehrer Lozowick ist Autor zahlreicher Bücher über Spiritualität, der eponyme Gründer einer Rock- und Blues Band mit dem Namen Shri, und er ist Direktor von Ashrams in Arizona, Frankreich und Indien. Bekannt ist er für seine eigene spezielle Art „verrückter Weisheit“ und seinen manchmal schockierenden Unterrichtsstil (selbst Wikipedia verweist auf seine „Reputation für krasses und provokatives Verhalten.“)
„Lee ist absolut skandalös,“ sagt Coupey bewundernd. „Macho? Rassist? Sexist? Lee sagt alles, was er will, und es kommt an. Er ist wie frische Luft, er ist ganz natürlich er selbst, und er drückt niemandem seine Meinung auf. Er ist einer der wichtigsten Gurus der westlichen Welt.“
![Coupey und Lozowick vor dem Café de la Liberté, Paris, 2005. [Philippe Coupey und Lee Lozowick lachen und genießen eine Tasse Kaffee an einem Tisch vor dem Café de la Liberté, Paris.]](/img/Coupey_Lozowick3.jpg)
Schon seit einigen Jahren haben Coupey and Lozowick ein festes Treffen in Paris. Wenn ihr zufällig am richtigen Tag im Juni an einem Café mit dem treffenden Namen Café de la Liberté im 14. Arrondissement vorbeikommt, werdet ihr die Meister und ihre Schüler sehen, wie sie die meisten Cafétische auf dem Bürgersteig besetzen: Mr. Lee und seine Schüler, blaue Augen, lange Haare und rote Backen; und Drachen-Geist und seine Zen-Schüler, die eine städtischere Gesichtsfarbe und weniger Haare zur Schau tragen. Was verbindet diese zwei Männer in Freundschaft? Ihre gemeinsame amerikanische Herkunft? Ihre Respektlosigkeit? Der wechselseitige Respekt für ihre Lehren?
„Lee ist der einzige amerikanische Meister von welcher Konfession auch immer, der gewillt ist, mit mir freundschaftlich zu verkehren,“ sagt Coupey.
Zen Leser hoffen, dass ihre Zusammenarbeit sich fortsetzen wird.
![Meister and Guru: Coupey und Lozowick in der Rue de la Gaité, Paris, 2005. [Philippe Coupey, in einer kaki Jacke und mit einer schwarzen Mütze, Arm in Arm mit Lee Lozowick, der eine regenbogenfarbene Mütze und einen grauen, geflochtenen Zopf bis zur Taille trägt, in der Rue de la Gaité in Paris.]](/img/Coupey_Lozowick5.jpg)
Auszüge aus Zen, Simply Sitting von Philippe Coupey:
Zazen hat absolut nichts damit zu tun sich hinzusetzen oder hinzulegen.
Das müsst ihr mit eurem Körper verstehen. Ein Meister sollte verstehen, dass man den Dharma nicht mit dem Mund erklärt; ein Schüler sollte verstehen, dass man Zazen nicht mit seinen Beinen praktiziert. Zazen ist nicht begrenzt auf die sitzende Haltung. Es geht nicht allein darum, die Beine zu kreuzen, den Rücken gerade zu halten und das Kinn zurück zu ziehen. Erinnert euch an den Anfang des Fukanzazengi, wo Dogen klar sagt, dass Zazen selbst Buddha ist: keine Trennung.Ich werde manchmal gefragt, ob es möglich ist, Zazen liegend zu praktizieren. Wenn dass das Beste ist, was ihr machen könnt — in anderen Worten, wenn ihr ans Bett gefesselt seid oder gelähmt oder sonstwie außer Gefecht gesetzt; nicht, wenn ihr nur im Bett rumhängt in der Hoffnung etwas länger zu schlafen — dann ja: Ihr könnt Zazen liegend praktizieren. Die Atmung wird etwas anders sein als bei der sitzenden Haltung, aber sonst es ist es das gleiche: Folgt nicht euren Gedanken.
Voranschreiten ist eine Sache des alltäglichen Lebens.
Fortschritt — voranschreiten — hat nichts damit zu tun, intelligent zu sein. Es ist etwas Alltägliches. An dieser Stelle des Textes, meint „Alltagsleben“ die unmittelbare, fundamentale Natur jedes einzelnen Tages…die fundamentale Wahrheit unseres täglichen Lebens… Essen, Schlafen, Reden, zur Toilette gehen, gassho machen (sich verbeugen) bevor und nachdem man sich im Dojo bewegt hat: das ist der Stoff der Erleuchtung, der großen Freiheit. Man braucht nicht intelligent zu sein.Unsere Praxis von shikantaza (nur sitzen) hat nichts mit Intelligenz oder dem Fehlen von Intelligenz zu tun, weil sie kein Ziel hat. Deswegen gibt es keinen Grund, eine spezielle Technik erlernen. Eine besondere Fähigkeit, Begabung, Talent, Kompetenz oder Qualifikation ist nicht erforderlich. Es gibt keine Hierarchie, in der man voranschreiten könnte. Alles, was es braucht, ist ein zafu (Kissen) und einigen Mut. Warum Mut? Weil es nicht leicht ist, regelmäßig zu Zazen zu kommen, besonders wenn man Probleme hat. Man muss den Mut finden zu kommen und zu sitzen, selbst wenn nichts und niemand einen dazu ermutigt.
Meister Deshimaru ermutigte uns gewöhnlich, indem er uns sagte, dass wir große Führer werden würden, wenn wir Zazen praktizierten. Ich kann das nicht sagen. Ich würde nur so viel sagen: es ist eine Frage der rechten Bemühung, der Bemührung auf die Wahrheit zuzugehen, indem man alles im eigenen Kopf Produzierte zerstört, weil es falsch ist — so viele Illusionen. Zerstört sie mit Zazen, mit dem Atem, der alles nivelliert. Und seid nicht entmutigt, wenn die Illusionen zurückkommen. Das ist der menschliche Zustand.
Zen, Simply Sitting: A Zen monk’s commentary on the Fukanzazengi by Master Dogen, von Philippe Coupey. Erschienen bei Hohm Press (www.hohmpress.com), Prescott, Arizona, USA. Erhältlich über alle üblichen (virtuellen wie nicht-virtuellen) Buchhändler und auch über Zen Road.
(1)Veröffentlicht in Englisch bei Hohm Press.
Schaut auf dieser Seite nach Neuigkeiten über das Erscheinen einer
französischen und einer deutschen Ausgabe des Buches.
![Alles was Du brauchst ist ein Zafu und einigen Mut. [Eine Person geht durch die Vordertür eines Dojos mit einem schwarzen Zafu (ein rundes Kissen) in der Hand.]](/img/zafu_courage.jpg)